Interessen

(20.2.2017) Merkel mag als weich gelten. Aber sie hat sich immer dazu bekannt, Macht anzustreben (s. Macht) und Interessen zu haben, persönliche wie nationale. »Meine Aufgabe ist erst einmal, deutsche Interessen zu vertreten«, betont sie. Dies sei die Voraussetzung für spätere Kompromissen. Nötig sei also beides: »Fähigkeit zum Kompromiss genauso wie das Aussprechen der eigenen Positionen«, betonte sie im Februar 2017 auch mit Blick auf die deutschen Interessen in der EU. Wer nur den Konsens (s. Konsens) suche, ohne zu wissen und zu sagen, was er wolle, scheitere wie der, der keine Kompromisse eingehen könne.

Autor: Andreas Rinke

Andreas Rinke, Jahrgang 1961, verfolgt seit sechzehn Jahren in Berlin das politische Geschehen und hat das erste Interview mit Angela Merkel 2005 noch vor ihrem Amtsantritt als Kanzlerin geführt. Der promovierte Historiker startete seine journalistische Karriere bei der »Hannoverschen Allgemeinen Zeitung«, wechselte zum »Handelsblatt« nach Berlin und ist heute politischer Chefkorrespondent und »Kanzlerwatcher« bei der internationalen Nachrichtenagentur Reuters.