Künstliche Intelligenz

(3.7.17) Künstliche Intelligenz ist etwas, was erkennbar im Jahr 2017 in den Fokus des Denkens der Kanzlerin rückte. Dies lag auch an Gesprächen, die sie in diesem Jahr auf der Hannover-Messe und der CeBIT hatte. Denn die Unternehmensvertreter machten ihr klar, dass die die »KI« viele Prozesse sowohl in der Produktion, aber auch anderen Bereichen des Lebens erneut radikal verändern könnten.»Künstliche Intelligenz – das finde ich schon sehr spannend…. Da müssen wir aufpassen, dass wir eine Basis behalten, das uns das nicht alles weggekauft wir«, sagte sie im Mai 2017 mit Blick auf chinesische und amerikanische Aufkäufer deutscher Start-Up-Unternehmen. Wenig später forderte sie schon ein europäisches Screening bei Übernahmen von KI-Unternehmen. »Das Forschungs- und Anwendungsgebiet der Künstlichen Intelligenz wird immens an Bedeutung gewinnen«, heißt es deshalb in dem Unions-Wahlprogramm 2017 gleich an zwei Stellen.

Zudem schien Merkel die Dimension der Technologie langsam zu erahnen. Denn »KI« sei bisher immer als Ersatz der Kopffunktion bei Menschen gedacht worden, sinnierte sie. Aber einige Wissenschaftler sagten jetzt, dass der eigentliche Durchbruch komme, wenn man Kopf und Körper verbinden könne – was für den Menschen eine noch viel größere Konkurrenz durch Roboter bedeuten könnte. Als sie sich wenig später mit Jugendlichen aus G20-Ländern traf, fragte sie diese, ob sie sich mit der Frage beschäftigten, ob Computer sie in ihren Fähigkeiten übertreffen würden. Als sie leicht betroffenen Gesichte der ehrgeizigen Frauen und Männer sah, beeilte sich Merkel, schnell die Bemerkung hinterherzuschicken:  »Eure Generation schafft es noch. … Nein, das war ein Spaß.« Der Anspruch für die Politik müsse sein, dass jede Entwicklung am Ende alles wieder dem Menschen diene.

 

Autor: Andreas Rinke

Andreas Rinke, Jahrgang 1961, verfolgt seit sechzehn Jahren in Berlin das politische Geschehen und hat das erste Interview mit Angela Merkel 2005 noch vor ihrem Amtsantritt als Kanzlerin geführt. Der promovierte Historiker startete seine journalistische Karriere bei der »Hannoverschen Allgemeinen Zeitung«, wechselte zum »Handelsblatt« nach Berlin und ist heute politischer Chefkorrespondent und »Kanzlerwatcher« bei der internationalen Nachrichtenagentur Reuters.