Stimme

(25.9.17)    Merkels Stimme ist im Laufe ihrer Karriere deutlich tiefer geworden. Der Effekt wird nach Ansicht eines Kommunikationswissenschaftlers noch dadurch unterstrichen, dass sie im Gegensatz zu ihrer frühren Zeit als CDU-Chefin heute sehr viel ruhiger und weniger erregt rede. Denn bei Erregung klinge gerade eine Frauenstimme höher. Merkel selbst hält die Stimme für einen Nachteil von Politikerinnen, weil diese schnell schrill und damit unangenehm klingen können. Nach den Energiekonsens-Gesprächen in der schwarz-gelben Kohl-Regierung ärgerte sie sich als Umweltministerin, dass sich der damalige Wirtschaftsminister Günter Rexrodt (FDP) bei Rundfunkinterviews einfach hinter sie stellte und sich einmischte. »Und weil er tiefer sprach, und auch, weil er größer war, hatte ich wirklich frustrierende Minuten.«

Der Kommunikationswissenschaftler Walter Sendlmeier verweist zudem darauf, dass Merkel auch in formellen Reden oder etwa bei dem Wahlwerbespot im Bundestagswahlkampf 2017 gerne Konsonanten verschluckt und »Verschleifungen« verwendet. Dies sei aber kein Nachteil, sondern lasse sie bei Zuhörern glaubwürdiger und volksnäher erscheinen – sowie harmloser, was mit erklären dürfte, warum sie oft unterschätzt wurde.

Autor: Andreas Rinke

Andreas Rinke, Jahrgang 1961, verfolgt seit sechzehn Jahren in Berlin das politische Geschehen und hat das erste Interview mit Angela Merkel 2005 noch vor ihrem Amtsantritt als Kanzlerin geführt. Der promovierte Historiker startete seine journalistische Karriere bei der »Hannoverschen Allgemeinen Zeitung«, wechselte zum »Handelsblatt« nach Berlin und ist heute politischer Chefkorrespondent und »Kanzlerwatcher« bei der internationalen Nachrichtenagentur Reuters.